Landespolizeidekan Msgr. Andreas Simbeck

"Seid gewiss: Ich bin bei Euch alle Tage bis zum Ende der Welt" (Mt 28,20b).

7. Sonntag in der Osterzeit (Lesejahr A)

Apg 1,12-14; 1 Petr 4,13-16; Joh 17,1-11a

 

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Abschiedsstimmung verbreitet heute das Evangelium. Jesus ahnt, dass sein Leiden und Tod nicht mehr fern sind. Und in dieser bedrückenden Situation sucht er das Gespräch, das Gespräch mit Gott, seinem Vater. Wir wurden gerade Zeugen dieses Vater-Sohn-Gesprächs und haben zugehört, wie Jesus in seiner Abschiedsstunde tief bewegt spricht.

Sicher können Sie das gut nachempfinden; schließlich fällt auch uns das Abschiednehmen schwer. Wir spüren das beim Verabschieden von einem lieben Besuch, mit dem wir eine schöne Zeit verbracht haben und den wir jetzt längere Zeit nicht treffen werden. Noch schwerer fällt uns der Abschied, wenn es der Abschied am Ende des Lebens ist. Menschen, die einander nahe stehen, erkennen in solchen Augenblicken, dass vieles zur Nebensache wird und Unwichtiges in den Hintergrund tritt. Dann sagen sie nur noch das, was ihnen wirklich wichtig ist und worauf es tatsächlich ankommt.

 

Liebe Schwestern und Brüder, so ist es auch bei Jesus. Sein Leben war geprägt von der Beziehung zu Gott und den Menschen, zu denen er gesandt war. Im Gespräch mit seinem Vater blickt er zurück auf sein irdisches Leben und zieht Bilanz. Er spricht von seinem Auftrag und von seiner Macht, die ihm Gott gegeben hat. Und er spricht über das ewige Leben. Seine Sendung bestand darin, den Menschen den Weg zum ewigen Leben zu zeigen.

Nun ist es für uns nichts Ungewöhnliches, wenn am Ende des irdischen Lebens über das ewige Leben gesprochen wird. Schließlich ist die Hoffnung auf das ewige Leben nach dem Tod eine unserer zentralen Glaubensbotschaften. Bei jeder Beerdigung schöpfen viele von uns aus dieser Hoffnung Trost und Kraft. Durch den Glauben auf ein Weiterleben nach dem Tod bekommt das Sterben einen Sinn.

Doch Jesus erklärt heute das ewige Leben auf eine Art und Weise, die uns überrascht: „Das ist das ewige Leben: Dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast“ (Joh 17,3). – Das bedeutet: Das ewige Leben beginnt dort, wo Menschen Gott und Jesus Christus erkennen. Das kann auch schon hier und jetzt auf Erden sein. Ist das nicht ein umwerfende Zusage? Jesus vertröstet uns nicht auf später. Nein, das Geschenk des ewigen Lebens dürfen wir schon hier auf Erden auspacken und uns daran freuen.

 

Liebe Schwestern und Brüder, vielleicht sind Sie jetzt enttäuscht, weil Sie das Gefühl haben, dieses Geschenk noch gar nicht erhalten zu haben. Und wahrscheinlich fragen Sie sich: Wie kann ich dieses Geschenk bekommen? Anders gefragt heißt das: Wie und wo kann ich Gott und Jesus Christus in meinem Leben entdecken und erkennen?

Vielleicht kommen Sie beim Suchen nach einer Antwort sogar etwas in Verlegenheit. Denn es ist gar nicht so einfach, unser alltägliches Leben mit Gott und Glauben in Verbindung zu bringen. Meist scheint Gott in unserem Alltag gar nicht vorzukommen. Vieles in unserem Leben lenkt uns davon ab, über unseren Glauben nachzudenken, geschweige denn Gott zu erkennen.

Um Gott zu erkennen, ist es wichtig, dass ich mich immer wieder und immer wieder neu auf die Suche nach ihm mache, um ihn in meinem Alltag zu finden.

 

Liebe Schwestern und Brüder, da Gott immer und überall bei uns ist, kommt es auf die richtige Sichtweise an. Es kommt darauf an, ihn zu sehen, auch wenn er auf den ersten Blick nicht sichtbar ist. Wie geht das? Die heilige Teresa von Avila hat dies einmal so ausgedrückt: „Christus ist auch mitten unter den Kochtöpfen!“

Wenn wir so unser Leben in den Blick nehmen, dann werden wir entdecken, dass Gott in unserem ganz gewöhnlichen Alltag vorkommt: In unserem Alltag mit all seiner Arbeit, mit seinem Ärger, aber auch mit seinen schönen Erlebnissen und dem vielerlei, das uns beschäftigt. Es geht darum, unsere alltäglichen Aufgaben, unsere Erlebnisse und Erfahrungen mit anderen Augen, mit dem Herzen, mit der Liebe anzuschauen und sie entsprechend zu deuten, also mit Gott in Verbindung zu bringen. Wenn uns das gelingt, werden wir die erstaunliche Entdeckung machen, dass sich unser ganzes Leben verändert. Denn ein solcher Glaube schenkt uns die Möglichkeit, unser Leben bewusster mit Gott zu gestalten und klarer zu erkennen, wie er uns durch unser Leben begleiten will. Diese Erfahrung lässt uns dann erahnen, was es bedeutet, ewig bei Gott und in Gott zu leben, ein Teil von ihm zu sein. Und wir können dieses ewige Leben schon hier auf Erden schmecken.

Natürlich kann es vorkommen, dass wir im Alltag immer wieder davon abgelenkt werden. Um diese Gefahr weiß auch Jesus. Da ihm viel daran liegt, dass es uns trotzdem gelingt, bittet er Gott ein paar Zeilen weiter, dass er unseren Glauben stärkt. Darauf dürfen wir vertrauen; im Vertrauen auf Gott unseren Weg gehen. Amen.